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Dorf-Büro Horbruch: Coworken mitten im Hunsrück

Idyllisch im Hunsrück gelegen und gut angebunden an die B327 und B50, wurde in den vergangenen Monaten in Horbruch ein Coworking Space ins Leben gerufen, der seinen urbanen Vorgängern in nichts nachsteht. Mit den professionell ausgestatteten Arbeitsräumen im traditionsträchtigen Dorfgemeinschaftshaus sollen nun Pendlerströme reduziert und neue Möglichkeiten der Begegnung ermöglicht werden können. Wir haben uns mit Quartiers- und Sanierungsmanagerin Susanne Stumpf der VG Herrstein-Rhaunen über das Projekt unterhalten.

Am 11.12.2021 habt Ihr eröffnet, davor lagen viele Monate der Planung und des Umbaus. Was waren die größten Herausforderungen auf dem Weg bis zur Eröffnung?

Für mich persönlich war es „Anzufangen“! Zu Beginn der Umsetzung fiel unser Ortsbürgermeister Klaus Hepp krankheitsbedingt für ein paar Wochen aus. Das bedeutete, dass der Beigeordnete Ralf Engel für Herrn Hepp seitens der Ortsgemeinde Horbruch einspringen musste und wir uns neu organisieren mussten. Als Ergebnis entstand ein Arbeitskreis aus mehreren Akteuren aus Horbruch. Für diesen Arbeitskreis bin ich sehr dankbar. Hier wurden Entscheidungen debattiert und erarbeitet, der Arbeitskreis hat sehr viel private Zeit investiert und mit Fleiß angepackt. Glücklicherweise erholte sich Herr Hepp zeitnah und konnte sich dem Projekt wieder widmen.

Baulich war die Küche der große Knackpunkt. Da die Küche gleichzeitig ein Durchgangszimmer zum Besprechungszimmer ist, musste die Ausstattung den Gegebenheiten angepasst werden. Um ein Gefühl für die Dimensionen zu erhalten, haben wir Leisten auf den Boden gelegt. Eine weitere Hürde ist und war das Thema Internetanschluss. Wie auch in vielen anderen Gemeinden kam der Anbieter des Glasfasernetzes seinen Versprechungen nicht nach. Also mussten wir eine kostengünstige und flexibel kündbare Lösung für die Internetverbindung finden: aktuell ist das Dorf-Büro via Funkantenne mit dem Internet verbunden.

Große Pläne für die kleine Ortsgemeinde Horbruch. (V.l.n.r.: Ralf Engel, Susanne Stumpf, Ortsbürgermeister Klaus Hepp). Rechte: EA

Was war denn eigentlich Eure Motivation für eine Bewerbung als Dorf-Büro?

Etwas Neues im ländlichen Raum zu schaffen, das Horbruch und der Umgebung hilft für Menschen attraktiv zu bleiben, den Mitbürgern vor Ort ein Angebot zu bieten und dem Stillstand entgegenzuwirken. Natürlich war es auch wichtig dem Dorfgemeinschaftshaus wieder mehr Leben einzuhauchen und eine Anlaufstelle im Ort zu schaffen. Im ländlichen Raum gibt es viele Liegenschaften, die nur noch geringen Nutzen erfahren. Dabei sind es oft charmante Gebäude, die darauf warten aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwachen.

Welche Erwartungen für Eure Gemeinde habt Ihr an das Dorf-Büro und welche positiven Auswirkungen erhofft ihr Euch?

Das Projekt „Dorf-Büro“ hat gezeigt, dass auch eine kleine Gemeinde wie Horbruch viel erreichen kann. Alle Beteiligten sind voll berufstätig und jeder hat nach seinem Können und Wissen dazu beigetragen, dass das Projekt umgesetzt wird. Das Beispiel „Dorf-Büro“ kann auch Mut und Enthusiasmus für andere Projekte wecken. Vielleicht gelingt es uns durch das Besprechungszimmer ein Angebot für die Bürger und Bürgerinnen der Gemeinde zu schaffen, die keinen Arbeitsplatz gebucht haben, sondern einen Raum für ein paar Stunden suchen: so zum Beispiel ein Musiklehrer oder die Schülernachhilfe. Vielleicht sind die Landfrauen daran interessiert sich einmal im Monat bei uns zu treffen. So gewinnen auch die Mitbürger, die nicht im Dorf-Büro arbeiten.

Was erwartet Eure zukünftigen Nutzer und Nutzerinnen im CoWorking Horbruch und wie wird das Dorf-Büro ausgestattet sein?

Da wir leider keine besonders große Eröffnungsfeier haben konnten, steht im Frühjahr natürlich eine Eröffnungsparty an! Im Rahmen dieser Eröffnung wird es dann eine Ausstellung von Studenten der Innenarchitektur der Hochschule Trier zum Thema „Coworking Space Horbruch“ geben und sofern es Corona erlaubt auch den lang geplanten Vortrag zum Thema „Hat mein Altbau noch Zukunft?“. Wir erhoffen uns damit etwas „Laufkundschaft“. Die einen kommen wegen des Vortrags und erhaschen noch einen Blick ins Dorf-Büro, die andere kommen wegen einem Bier und sehen die Entwürfe der Studenten und beschäftigen sich mit dem Arbeiten in einem Coworking Space. Was die Ausstattung angeht haben wir eine solide Grundausstattung geschaffen: Insgesamt sechs elektrisch höhenverstellbaren Tische, ein Besprechungszimmer mit TV und einer gut ausgestatteten Küche mit Sitzgelegenheiten. Wir müssen jetzt gemeinsam überlegen, wie wir die vorhandene Grundstruktur den Ansprüchen der Nutzer anpassen und noch attraktiver gestalten können. Unsere Nutzer haben wir dazu aufgerufen uns zu sagen, ob was fehlt, bzw. was wir verbessern können. So ist angedacht den Konferenzraum mit Videotechnik auszustatten, Rollcontainer sind noch zu kaufen, einen langen Schall schluckenden Teppich anzuschaffen, … und wir hatten Suppenlöffel vergessen 😉

Im Coworking Horbruch treffen modernste Ausstattung urigen Holzboden. Bildrechte: OG Horbruch

Wie haben die Bürgerinnen und Bürger reagiert, als sie erfahren haben, dass ein Dorf-Büro in Eurer Gemeinde eingerichtet wird und war das Konzept eines Dorf-Büros oder eines Coworking Spaces bekannt?

Die Reaktionen waren sehr von den einzelnen Personen und ihrer Sicht auf die Welt abhängig. Wie immer im Leben gibt es Optimisten, die offen sind für neue Wege. Jemand, der in 10km Entfernung seinen Arbeitsplatz hat oder in seinem Homeoffice glücklich ist, kann in einem Coworking Space weniger Sinn erkennen, als ein Arbeitnehmer, der über eine Stunde pendelt oder jemand, der im Homeoffice keine Ruhe findet. Tatsächlich ist die aktuelle Situation, dass wir nur eine Arbeitnehmerin als Nutzerin haben und die anderen drei Nutzer selbstständig sind. Das Konzept eines Coworking Space ist nur wenigen bekannt und muss noch oft erklärt werden.

Warum ist Eure Region besonders für das Dorf-Büro geeignet? Welche Aspekte liegen Euch beim Dorf-Büro besonders am Herzen?

Horbruch liegt mitten im Hunsrück, einer traditionell strukturschwachen Region mit wenig Arbeitgebern und einer hohen Zahl von Pendlern. Trotz allem oder gerade wegen der Distanz zur Stadt finden sich im Hunsrück auch viele beruflich erfolgreiche Menschen, die ihre Heimat schätzen und dafür weite Wege in Kauf nehmen. Durch das Angebot des Dorf-Büros können wir den Menschen etwas life work balance bieten. Wir haben bereits Anfragen von Nutzern, die ihre Familien besuchen möchten und für ein paar Tage einen Arbeitsplatz buchen.

Wie wollt Ihr das Dorf-Büro bekannt machen? Was macht Ihr bereits?

Bisher haben wir das Dorf-Büro über die bekannten Kanäle bekannt gemacht: Zeitung und Social Media (facebook, linkedin, instagram). Die IHK Koblenz hatte uns bereits zwei Mal im Newsletter. Das regional ansässige Energieversorgungsunternehmen OIE wird demnächst einen Artikel im Newsletter verfassen. Zusätzlich findet man uns auf google maps, in Immoscout und dem regionalen Immoblienportal KIP. Aktuell erstellt unsere Space Managerin eine Broschüre, die wir in der Region verteilen werden. Ein regionaler Getränkehersteller wird uns mit zwei Bannern unterstützen, die wir als Außenwerbung nutzen werden. Ein wichtiger Termin wird die Eröffnungsfeier im Frühjahr sein, die wir entsprechend medial ausschöpfen wollen.

Wer sind die Köpfe hinter dem neuen Dorf-Büro?

Allen voran Ortsbürgermeister Klaus Hepp, meine Person als Sanierungsmanagerin der Ortsgemeinde Horbruch und aktuell neu hinzugekommen die Space Managerin Carmen Hepp. Vergessen werden dürfen natürlich auch nicht die Mitglieder des Arbeitskreises: Kai Eisenauer, Ralf Engel, Marko Hepp, Tobias Lauterborn und Patrick Schell. Wie stark sich die Mitglieder des Arbeitskreises nach der Eröffnung noch einbringen möchten und zeitlich auch können, steht in Abhängigkeit zu den Themen und Aufgaben des Dorf-Büros. Darüber hinaus hat meine Kollegin der Verbandsgemeindeverwaltung Herrstein-Rhaunen Maren Hoffmann-Schmidt das Projekt „Dorf-Büro“ vor allem in den Bereichen Marketing und Veranstaltungen unterstützt.

Neugierig? Der Coworking Space in Horbruch befindet sich in der Hochscheiderstraße 7 in 55483 in Horbruch. Weitere Infos gibt es unter www.coworking.horbruch.de.