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„Dorf-Büros“ treffen genau den richtigen Nerv im ländlichen Raum

Dass das Thema „Dorf-Büros“ bei vielen Kommunen im ländlichen Raum genau den richtigen Nerv trifft, hat sich beim Info-Tag der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz e.V. (EA) in Bingen gezeigt. Mehr als 60 Vertreter aus Kommunen aus dem ganzen Land waren gekommen, um sich über das Modellprojekt und den Auswahlwettbewerb zu informieren.

Das große Interesse quer durchs ganze Land ist für EA-Vorstand Rainer Zeimentz keineswegs verwunderlich. Schließlich gehe es darum, die Arbeit und damit mehr Leben wieder zurück in die Dörfer zu bringen. Anschaulich erklärte Zeimentz den Zuhörerinnen und Zuhörern die Vorteile, die mit einem mietbaren, flexiblen Arbeitsplatz direkt vor Ort verbunden sind. Denn Erfahrungen hat die EA schon einige beim Projekt „Schreibtisch in Prüm“ gesammelt. Dort gibt es beispielsweise eine Frau, die nun neben ihrem Vollzeit-Job besser auch noch ihre Mutter im Heimatort Prüm betreuen kann, weil sie nicht mehr mehrere Stunden mit dem Auto nach Bonn und zurück pendeln muss.

Dass ein solches Projekt eine längere Anlaufzeit benötigt, wurde in Prüm ebenfalls deutlich. Denn das Angebot muss erst einmal bekannt werden. Auch müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine adäquate Lösung für die Arbeit außerhalb der Firma finden.

Aber das Beispiel Prüm ist nur eine von vielen Möglichkeiten, wie Dorf-Büros konzipiert werden können. Weitere Modellprojekte sollen in den Jahren 2019, 2020 und 2021 entstehen. EA-Projektleiterin Annika Saß erläuterte, wie Verbandsgemeinden und verbandsfreie Gemeinden in den Genuss einer Unterstützung kommen können. Die Mittel dafür werden der EA vom rheinland-pfälzischen Innenministerium zur Verfügung gestellt. Insgesamt sollen so bis zu neun Dorf-Büros entstehen. In jedem Jahr werden bis zu drei Sieger bei einem Wettbewerbsverfahren ausgewählt, die ihre Büros fünf Jahre lang betreiben und in den ersten drei Jahren bis zu 100.000 Euro Unterstützung erhalten können.

Auf neudeutsch: Coworking-Spaces

Was in Rheinland-Pfalz jetzt als Dorf-Büros bezeichnet wird, heißt „neudeutsch“ auch Coworking-Spaces. Die Idee dazu gab es zunächst meist in Großstädten. Marietheres Mimberg und Tobias Kollewe von der Cowork AG zeigten einige kreative und spektakuläre Beispiele. Dabei wurde deutlich, dass es bei den Dorf-Büros um mehr geht, als nur „nüchterne“ Arbeitsplätze mit entsprechender Ausstattung zu schaffen, sondern mit der Gestaltung einer neuen Arbeitswelt, die Orte mit Spaß und Leben zu füllen. Auch können durch den Kontakt unter Freiberuflern aus der Region, die sich bislang gar nicht kannten, neue Kooperationen entstehen. Weltweit gibt es übrigens nach Schätzungen rund 18.000 Coworking-Spaces, in Deutschland sollen es bislang etwa 400 sein. Es handelt sich also aller Voraussicht nach um mehr als einen kurzlebigen Trend.

Dass bei der EA in den kommenden Monaten die ersten spannenden Bewerbungen eingehen dürften, wurde nicht nur aufgrund der kritischen Nachfragen der Teilnehmer deutlich, sondern auch bei der lebhaften Diskussion über das Thema, die auch beim Mittagessen an den Restauranttischen weiter ging.

Der SWR war vor Ort und berichtet in seinem Beitrag „Gemeinschaftsbüros als Mittel gegen Landflucht?“ auch vom Schreibtisch in Prüm.

Sehen Sie sich hier den Beitrag an:

Die Handouts und Informationen der Präsentationen können Sie hier herunterladen. Die EA überarbeitet jetzt das Konzept und arbeitet die Anregungen der Teilnehmenden am Info-Tag in die Bewerbungsunterlagen ein.